Willkommen bei GeSMo!

Genderaspekte werden in der Mobilitätsforschung und Verkehrsplanung völlig unzureichend berücksichtigt. Genderspezifische Unterschiede in den Charakteristika des Mobilitätsverhaltens und in den Mobilitätsmustern sind jedoch durch Studien belegt. Frauen müssen ihre Erwerbsarbeitsverpflichtungen mehrheitlich mit Familien- und Versorgungsarbeit vereinbaren. Damit haben sie besondere Ansprüche an Verkehrssysteme, die bei der Entwicklung von Mobilitätslösungen berücksichtigt werden müssen. In der aktuellen Debatte um standortbezogene Bewertungen der Mobilität fällt die unzureichende Einbeziehung von Genderaspekten auf. Ansätze zur Entwicklung web-basierter Informationslösungen gehen kaum oder gar nicht auf zielgruppenspezifische Anforderungen ein und laufen so Gefahr, von den NutzerInnen nicht ausreichend akzeptiert zu werden.

Projektpräsentation beim Staatspreis Mobilität 2013

Ziele und Ergebnisse

GeSMo setzt sich zum Ziel, ein Standortbewertungsmodell unter einer genderorientierten Betrachtungsweise zu entwickeln, in das mobilitätsrelevante Beurteilungskriterien, entsprechende Gewichtungen für zielgruppenspezifische Ansprüche und nachhaltige Mobilitätsformen, verfügbare Datenquellen und Ansätze zur Darstellung der Bewertungsqualität einfließen.

Im Fokus stehen zwei Zielgruppen: Erstens Menschen, die in ihrem Alltag mit mehreren Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten (Erwerbsarbeit, Versorgungsverpflichtungen, etc.) konfrontiert sind und komplexe Mobilitätsmuster aufweisen. Derzeit ist diese Gruppe vorwiegend weiblich geprägt; die Ergebnisse der Studie sind jedoch auch für andere Gruppen nutzbar. Zweitens ältere Menschen, die besonders auf einen barrierefreien Zugang zu Verkehrssystemen angewiesen sind, um ihre Lebensqualität beizubehalten und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Auch diese Gruppe umfasst überwiegend Frauen. Das Ergebnis ist ein genderorientiertes Bewertungsmodell, das zur Beurteilung der Versorgungsqualität von Standorten und als Basis für ein Planungsinstrument eingesetzt werden kann. In weiterer Folge kann es zu einem technologischen Informationsservice ausgebaut werden, das genderspezifische Bedürfnisse berücksichtigt, nachhaltige Mobilitätsformen ins Bewusstsein rückt und fördert und sowohl von Betroffenen als auch durch Planungsstellen zur Gebietsanalyse der Mobilitätsqualität verwendet werden kann.

Methoden

In GeSMo werden in einem multidisziplinären Ansatz sowohl die Anforderungen der betroffenen Zielgruppen umfangreich analysiert, als auch verfügbare Datenquellen betreffend der Infrastrukturausstattung sondiert und einbezogen. Das Bewertungsmodell der Mobilitätsqualität wird auf Basis wissenschaftstheoretischer Konzepte (Erreichbarkeitsmodelle, Aktionsraumanalyse, Indikatorengewichtung, etc.) erstellt und anhand ausgewählter Standorte exemplarisch dargestellt. Die Zielgruppen werden im gesamten zweijährigen Projektverlauf eingebunden.

Projektablauf

1. Erfassung gruppenspezifischer Anforderungen

Basierend auf einer repräsentativen Erhebung sowie Tiefeninterviews mit den Zielgruppen wurden in GeSMo gruppenspezifische Bedürfnisse, Präferenzen und Akzeptanzgrenzen analysiert (z.B. Wichtigkeit der Erreichbarkeit verschiedener Einrichtungen, akzeptable Distanz zu Einrichtungen, Determinanten der Verkehrsmittelwahl).

2. Modellentwicklung

Auf Basis wissenschaftstheoretischer Konzepte (Erreichbarkeitsmodelle, Aktionsraumanalyse, Indikatorengewichtung, etc.) und gruppenspezifischen Anforderungsanalysen wurde ein Bewertungsmodell der Mobilitätsqualität von Standorten erstellt.

Daraus ergaben sich gruppenspezifische Kennwerte für die Erreichbarkeit von Einrichtungen je nach Verkehrsmittel – veranschaulicht beispielsweise in Form einer Kennzahl (erreichte Punkteanzahl von 100 Punkten) oder aufgeschlüsselt je nach Verkehrsmittel (siehe Abbildung 1). Diese Kennzahlen ermöglichen eine gezielte Betrachtung und Bewusstmachung der Mobilitätsversorgung an Standorten – beispielsweise für Privatpersonen zur Beurteilung von Standorten anhand ihrer individuellen Mobilitätspräferenzen oder für Planende zur Identifizierung von spezifischen Unterversorgungen.

Abbildung 1: Erreichbarkeiten von Einrichtungen von zwei Standorten – veranschaulicht als Kennzahl zwischen 0 und 100 sowie aufgeschlüsselt nach Verkehrsmodus.

Abbildung 1: Erreichbarkeiten von Einrichtungen von zwei Standorten – veranschaulicht als Kennzahl zwischen 0 und 100 sowie aufgeschlüsselt nach Verkehrsmodus.

3. Evaluierung

Das Modell wurde zusammen mit VertreterInnen der beiden Zielgruppen sowie mit ExpertInnen aus den potentiellen Anwendungsbereichen bewertet. Mit Privatpersonen wurde analysiert, wie Informationen zur Mobilitätsqualität von Standorten aufzubereiten sind, um die Zielgruppen über Mobilitätsmöglichkeiten an Standorten ausreichend zu informieren. In Interviews mit ExpertInnen wurden darüber hinaus Anwendungen sowie Potenziale des Bewertungsmodells identifiziert.

4. Ergebnisse

Die Projektergebnisse wurden gesammelt als Toolbox veröffentlicht

Projektteam

Die ProjektpartnerInnen ergänzen einander in den für das Projekt notwendigen Kompetenzen und ermöglichen so eine ganzheitliche Betrachtung der Mobilitätsqualität von Standorten. Die Kompetenzen des Konsortiums umfassen Erfahrungen in der Untersuchung von zielgruppenspezifischen Raumverhaltensmustern, Anforderungsanalyse, Simulation und Modellierung, Regionalanalyse, Standortanalysen, Erreichbarkeitsmodelle, Definition von Erfolgskriterien für Informationssysteme und Planungsinstrumente, Aktionsraumforschung und weitere themenrelevante Schwerpunkte.

Das Mobility Department des AIT konzentriert sich auf die Entwicklung von Lösungen für sichere, umweltverträgliche, sowie kosten- und energieeffiziente Mobilität. Als herausragendes Alleinstellungsmerkmal gilt der ganzheitliche Ansatz einer systemischen Betrachtung von Fahrzeug, Transportinfrastrukturen und Personenmobilität. In GeSMo beschäftigt sich das AIT speziell mit der Identifikation gruppenspezifischer Bedürfnisse sowie der Erfassung und Analyse des raumzeitlichen Verhaltens und relevanter Einflussfaktoren für die Zielgruppen.

Der Fachbereich Stadt- und Regionalforschung der TU Wien konzentriert sich im Speziellen auf planungsrelevante Erkenntnisse über Siedlungsstrukturen und -prozesse. Dabei werden Modelle und Analysen über standortbezogene demographische und soziale Prozesse im Siedlungsraum im Forschungsprojekt GeSMo angewandt.

Das Tätigkeitsprofil der Kommunikationsberatung bauen wohnen immobilien umfasst die Entwicklung innovativer Lösungen und Trendforschungen für den Wirtschaftssektor rund um die Themen Bauen, Wohnen, Immobilien. Erkenntnisse aus repräsentativen Umfragen sowie Erfahrungen mit Praxisbezug in diesem Sektor bereichern das Forschungsprojekt GeSMo.